Warburg/Brakel. „Das Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit war ihm eine Herzensangelegenheit, selbst als er krankheitsbedingt nicht mehr so konnte wie er wollte“. So betrauert die „Ökumenische Flüchtlingshilfe Brakel“ den Tod eines ihrer aktivsten Helfer. Am Neujahrstag verstarb Claus Dietrich, pensionierter Studiendirektor und seit 1993 engagierter Flüchtlingshelfer in Brakel.
„Er war ein Kümmerer“, so Hans-Georg Harrer von der Brakeler Flüchtlingshilfe. In seinem Haus in Gehrden nahm er Flüchtlingsfamilien auf, besorgte für sie fehlende Dokumente, half ihren Kindern beim Schulbesuch und bei alltäglichen bürokratischen Hürden, die einer Integration in Deutschland oft im Wege stehen. Zugleich hielt er für die Ökumenische Flüchtlingshilfe die Verbindung zur evangelischen Kirchengemeinde Brakel aufrecht, auch weil er dort jahrelang als Presbyter und im Kirchenkreis tätig war. Seine literarische Begabung wusste er gut in seine gesellschaftspolitische Arbeit zu integrieren. Mit selbstverfassten Gedichten gegen den Ukrainekrieg protestierte er in verschiedenen Veranstaltungen von Pulse of Europe und des Kulturforums Warburg für Frieden und Humanität. Dies geschah zunächst in einem Benefiz-Konzert Anfang April 2022 in der Abteikirche Marienmünster mit Musik der Driburger Gruppe „Gegenwind“ zum Thema „Krieg und Frieden“ und einer Lesung von Gedichten, die Claus Dietrich aus seiner Betroffenheit über diese Ereignisse heraus geschrieben hatte. Anlässlich seines 80. Geburtstags veröffentlichte er beeindruckende Kindheitserinnerungen an seine in Trümmern liegende Heimatstädte Plauen, Dresden und Duisburg: „Meine Eltern und Großeltern haben nicht erkannt, wohin die Herabsetzung anderer in der Nazizeit geführt hat: Aus Abgrenzung wächst Feindschaft und aus Herabsetzung Anderer entsteht Hass und Vernichtungswille und mündete damals in Krieg und Folter und Tod in den Konzentrationslagern.“
Aus dieser Erkenntnis ist auch seine politische Tätigkeit zu verstehen. In den 80er Jahren hat er sich parteipolitisch bei „BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN“ engagiert, sowohl im Schul- und Kulturausschuss der Stadt Brakel, als auch im Bezirksausschuss seines Wohnortes Gehrden. Mit dem Umzug nach Warburg war Claus Dietrich ein wichtiger Teil des Warburger Ortsvereins. Bescheiden wirkte er im Hintergrund, mit seiner Erfahrung war er politischer Ratgeber. Bei der Kommunalwahl stellte sich Claus Dietrich für die Reserveliste zur Verfügung.
Auch die Erdcharta-Bewegung würdigt die Verdienste von Claus Dietrich. “In den letzten drei Jahren war Claus über eine gute Fügung Teil unserer Erd-Charta-Gemeinschaft. Zusammen haben wir gesprochen, gedacht, geplant, Spaß gehabt und gehandelt. 2025 haben wir zusammen ein Demokratie-Festival organisiert – eine große Geste für Begegnung, Vielfalt und Miteinander. Und wir hatten gemeinsam Freude. Claus hat gelacht. Er hat mit seinem Rollator getanzt.
Dieses Bild bleibt von Claus Dietrich: Ein Ruhepol mit Haltung. Ein Mensch, der Klarheit und Leichtigkeit mit Hoffnung verbinden konnte. Und seine Lebensfreude, die jeden mit seinem freundlichen Lächeln begrüßte.”




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